Tag 51 – die andere Pilgerin

Am Morgen kann ich kaum die kleinen Augen öffnen und komme sehr schlecht aus dem Bett. Um 09:00 Uhr verlasse ich endlich die kleine Ein- Zimmer-Wohnung. In ordentlichem Schritt mache ich mich in der Kälte auf den Weg. Es ist frisch, aber ich fühle mich fit. Die Feldwege sind zum Teil äußerst matschig. Meine Schuhe weichen durch das Gras schnell durch.

Eine improvisierte Brücke

An einer Kuhwiese treffe ich auf einen Pilger, der allerdings in die andere Richtung läuft und wir unterhalten uns kurz. Ich erzähle ihm, dass seitdem ich in Frankreich bin keinen anderen Pilger getroffen habe und er mir prompt erklärt, dass einen Kilometer vor mir eine andere Pilgern läuft. Ich reiße die Augen auf und wandere in einem irren Tempo weiter.
Eine gute halbe Stunde später sehe ich sie vor mir. Ich begrüße sie enthusiastisch und wir fangen direkt ein Gespräch an. Sara ist Kanadierin und war schon auf vielen Wanderwegen in der Welt unterwegs. Im nächsten Ort setzen wir uns in eine Bar und für mich gibt es ein Bier und für Sara ein Bier. Wir tauschen uns aus und beschließen zusammen weiterzulaufen und uns die Unterkunft zu teilen. Der Himmel ist bewölkt, aber wir werden von Regen verschont. In Unterhaltungen vertieft vergeht die Zeit sehr schnell und es tut mir sehr gut, mich so ausführlich unterhalten zu können.

Aufgeweichte Wege

Cluis erreichen wir gegen 15:30 Uhr und für mich waren es um die 25 Kilometer. Hier ist die Pilgerherberge allerdings geschlossen, jedoch hilft uns direkt ein Mann vor de Bar und bringt uns zu einem Haus, welches Gästezimmer anbietet. Der Hausherr ist mehr als liebenswürdig und zeigt uns die Räume. Für 50€ teilen wir uns ein Zimmer und das Doppelbett. Seine Frau ist eigentlich für alles zuständig, diese empfängt uns allerdings erst wenig später. Beide sprechen kaum Englisch, wollen aber sicher sein, dass alles für uns in Ordnung ist.
Im kleinen Supermarkt kaufe ich ein paar Kleinigkeiten ein und wir begegnen vor dem Geschäft einen älteren Herren mit britischen Wurzeln, dessen Dialekt herzallerliebst ist.
Hier im Dorf sind alle super freundlich und wir sind beide über die Begegnungen überrascht.
Sara hat sich für das Abendessen der Besitzerin entschieden, da ich allerdings kein Rebhuhn essen möchte und die vegetarische Alternative dem Preis nicht gerecht wird, koche ich selbst eine Portion Nudeln mit Tomatensoße und Bohnen. Wir essen zusammen und quatschen noch sehr viel. Den Nachttisch teilen wir uns – Blätterteig mit einer Birnen-Zimt-Füllung. In meinem Stück finde ich einen türkisen quadratischen Stein und wir fragen uns, ob dies aus Versehen in der Süßspeise gelandet ist.

Gegen 23:00 Uhr legen wir uns ins Bett und unterhalten uns im Dunkeln noch länger über vergangene Reisen.

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