Tag 87 und die Fußballmannschaft

Die milde Nacht hat mich gut schlafen lassen. In aller Ruhe packe ich meine Sachen und trinke meinen Kaffee. Um 9:15 Uhr verabschiede ich mich von den herzlichen Besitzern. Die Frau drückt mir noch ein eingepacktes Stück Kuchen in die Hand.

Montcuq ist schnell durchquert und über einen schmalen Waldpfad laufe ich leicht bergauf hinaus. Oben komme ich an weiten Feldern heraus. Ein Reiter scheint auf einer Wiese zu trainieren. Es ist ein Dressurreiter, der zu meiner Verwunderung keinen Helm trägt.

Über ein Feld trete ich auf einen Trampelpfad und folge anschließend mal wieder einer neuen Route, die meine App nicht anzeigt.

Kurze Zeit später sehe ich an einem Haus den ersten Granatapfelbaum.

Granatapfelbaum

An einem anderem Grundstück kommt mal wieder bellend ein Jack Russel Terrier auf mich zu gelaufen. Er wirkt nicht zu aggressiv, aber kommt mir sehr nah. Ich verspüre nicht zu große Angst, denn nachdem ich ein paar Mal laut gerufen habe (witzigerweise spreche ich immer in Englisch mit den französischen Hunden) und mit meinen Wanderstöcken aufgestampft habe, geht er auf Abstand und ich kann schnell das Weite suchen.

Ich laufe den Morgen immer wieder längere Strecken auf ruhigen Landstraßen. Dabei versuche ich mich eher auf dem Grünstreifen fortzubewegen.

Auf einer dieser Straßen steht plötzlich 20 Meter vor mir ein weiterer Vierbeiner. Die Rasse kenne ich nicht, aber es ist ein Kampfhund. Für gut zwei Minuten gucke ich ihn an und er mich. Er bellt nicht, aber ich kann seine Miene nicht lesen. Was mache ich nur? Da rennt der Hund direkt auf mich los, aber ohne zu bellen. Mit offenem Maul, so das ich seine Zähne sehen kann, stürmt er zu mir…und will gestreichelt werden. Nach zwei Sekunden streicheln, wirft er sich auf den Rücken. Was eine Erleichterung!

Kurz darauf mache ich an einem Feldrand eine kurze Pause. Ich fühle mich heute erstaunlich fit, nach dem gestrigen Tag hätte das auch anders aussehen können.

Eric kommt vorbei und zusammen geht es weiter, wir unterhalten uns und so vergeht die Zeit sehr schnell. Die Stadt Lauzerte ist von weitem schon auf einem Berg zu sehen. Steil bergauf ziehen wir uns mit jedem Schritt den Berg hoch. Oben angekommen versuchen wir den Lebensmittelladen zu suchen, Eric fragt in einer Bar nach und uns wir gesagt, dass dieser seit drei Wochen geschlossen hat. Daraufhin lädt mich der Franzose zu einer Pizza ein, die er sich seit Tagen schon wünscht. Zögerlich stimme ich ein. Das Mittagessen stellt sich als äußerst lecker heraus. Die Reste nehmen wir fürs Abendessen mit.

Pizza als Mitagessen

Um 14:30 Uhr treten wir die letzten 11 Kilometer an, die sich nochmal sehr für uns ziehen.

Es geht immer wieder hoch und runter. Unsere Motivation ist irgendwo auf der Strecke liegen geblieben. 
Am Wegesrand steht ein Tisch mit Weintrauben und gegen eine kleine Spende, darf man sich was nehmen. Wir setzen uns ins Gras und geniessen die kleine köstliche Überraschung.

Weintrauben am Wegesrand

Zum Nachmittag hat es sich sehr bewölkt und immer mehr dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Gegen 17 Uhr regnet es dann auch. Als es stärker wird stellen wir uns unter einen Baum, aber nach 10 Minuten ist das Schlimmste überstanden.

Weitere interessante Bäume stehen am Wegesrand. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie sehr große Weinreben, aber ein genaueres Hinsehen bringt Verwunderung mit sich. Da stehen wirklich Kiwibäume vor uns.

Kiwibäume

Um 18 Uhr erreichen wir in Castet-Arrouy nach 27 Kilometerm den Fußballplatz. Dort dürfen Pilger auf kleinen Wiesen zelten. Es gibt eine Toilette und ein Waschbecken.

Zelten neben dem Fußballplatz

Ich stelle fix mein Zelt auf und kurze Zeit später prasselt ein weiter Schauer auf uns herab. Als Dank für die Pizza versuche ich Eric mit seinem neuen Handy zu helfen (sein Altes hat er vor ein paar Tagen verloren), aber warum die französische Simkarte nicht funktioniert, kann ich leider nicht rauskriegen.

Anschließend verkrieche ich mich in mein Zelt und gegen 20 Uhr höre ich ein Auto nach dem anderen anfahren. Eine Fußballmannschaft will tatsächlich bei dem Regen trainieren. Hoffentlich machen sie nicht zu lange, denke ich müde…

Die Feuchtigkeit lässt mich schnell frieren und früh liege ich im Schlafsack und schaue mir eine Serie an. Gegen 22 Uhr geht das große Licht über dem Platz aus und leitet auch für mich die Nacht ein.

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