Tag 72 und über den Wolken

Am Morgen verabschiede ich mich bei William, der Besitzer ist wirklich die gute Seele der Unterkunft.

Dichter Nebel am Morgen

Durch den dicken Nebel geht es los. Es ist frisch, aber das viele hoch und runter wärmt mich schnell. Die vielen Details sind traumhaft, alles ist mit Morgendunst benetzt.

Spinnennetz trifft auf Morgendunst

Ich erreiche den kleinen Bergort Rochegude und dort haut es mich um. Die Aussichten sind der Wahnsinn.

Über den Wolken

Ich stehe über den Wolken und die Sonne lacht mich an. Als wäre dies nicht schon toll genug, tauchen plötzlich jede Menge Tiere auf. Hunde, Welpen, große und kleine Ziegen. Alle wollen gestreichelt werden.
Ich halte mich viel zu lange an diesem wundervollem Fleck Erde auf.

Der Ziegenbock hat sich auch kraulen lassen

Ich begegne den beiden deutschen Mädels Nina und Lana vom Vorabend, sie machen ein Foto von mir.

Grinsend laufe ich weiter, allerdings verwandelt sich mein Lächeln schnell in eine konzentrierte Miene, der Weg führt steil bergab. Das Höhenprofil in meiner App zeigt rot an, es ist also Vorsicht geboten. Meine Knie werden stark beansprucht, es ist rutschig und ich bin dankbar über die Wanderstöcke. Auch heute sind wieder sehr viele Pilger unterwegs, gefühlt sogar noch mehr als gestern.

In Monistrol d’Allier überquere ich den Fluß über eine große Brücke. An einem kleinem Lebensmittelladen versammeln sich einige Pilger. Ich hole mir einen Eclair und Kekse, denn die selbstgemachten Sandwiches sehen nicht besonders hygienisch zubereitet aus. Es ist bereits 11:30 Uhr und ein steiler Anstieg steht an.

Steil berghoch

Die Höhenmeter steigen schnell an und die Ausblicke über die Häuser in Kombination mit riesigen Felsen an den Hängen sind wirklich toll.
In Serpentinen führt es berghoch, die letzten zwei Monate Wandern merke ich heute sehr, denn mein Tempo überrascht mich sehr und gut gelaunt lasse ich viele Kilometer hinter mir.

Aussichten über Aussichten

Ich treffe auf die Belgierin Marie mit der ich mich für einige Zeit unterhalte. Ein Traktor kommt auf dem Feldweg auf uns zu und hinter ihm läuft seine Herde von Kühen her. Die Vierbeiner gucken neugierig, interessieren sich sonst aber wenig für uns.

Die Kühe werden zu einer anderen Weide gebracht

An einem Rastplatz mache ich eine Pause und treffe auf verschiedenene Pilger. Ausserdem kommt eine Katze zu mir und legt sich prompt in meinen Schoss und lässt sich kraulen.

Zutrauliche Katze

Ich treffe auf zwei deutsche Pilger, die ich mit Mark noch vor Le Puy getroffen habe.

Um 15:30 Uhr erreiche ich Saugues. Ich habe immer noch nicht beschlossen, wo ich heute hin will, oder ob ich in diesem Ort bleibe. Aus der Bäckerei hole ich mir erstmal einen Kuchen und eine Limo und gehe zum Ortsrand.

Blick zurück auf Saugues

Lana und Nina bin ich den ganzen Tag immer wieder begegnet und zum Schluss laufen wir noch ein paar Kilometer zusammen. Dazu gesellt sich bald Victor. Der Franzose ist mit seinem Bruder und zwei weiteren Freunden unterwegs. Er erzählt mir von einer Farm, bei der man zelten darf. Nachdem die beiden deutschen Mädels in La Clauze einkehren, laufe ich mit Viktor nach Le Falzet zum Bauernhof. Der Bauer selbst ist gerade bei den Kühen und ein weiterer Pilger zeigt uns die Wiese. Insgesamt stehen am Ende des Tages sieben Zelte auf dem Platz. Eine Dusche gibt es nicht, nur eine Toilette und einen Wasserhahn außen am Haus.

In einer großen ausgebauten Scheune sitze ich abends mit den anderen am Tisch. Es sind alles Franzosen und obwohl die meisten ganz gut englisch sprechen, bleiben sie zum größten Teil bei ihrer Muttersprache.

Der Abend ist kalt und gegen 21 Uhr kuschele ich mich in meinen Schlafsack.

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