Tag 67 und der Turbomodus

Am Morgen sitze ich mit meinem Frühstück auf der Couch, dies fühlt sich fast surreal an, da ich dies seit über zwei Monaten nicht getan habe.

Dennoch bin ich relativ müde und schlapp. Um 9:05 Uhr verlasse ich die Herberge, es geht nun für einen Kilometer steil bergauf in den Ort Montacher, welcher auf 1130 Höhenmetern liegt. Vor der Kirche sitzt Mark, der auf mich wartet. Trotz des Gewitters hat er die Nacht gut überstanden. Der Ausblick von hier oben ist wunderschön. In der Ferne sieht man noch dezente Nebelschwaden. Die Aussicht lädt zum Träumen ein.

Blick von Montarcher

Um 9:30 Uhr laufen wir zusammen los. Sanft verläuft der Route erst bergab und bleibt bis auf ein paar Hügel, relativ eben für den Rest des Tages.

Oben erkennt man Montarcher

Mein Energielevel ist recht niedrig, also geht Mark in seinem Tempo etwas schneller vor. Ich höre Musik und ein Hörbuch, um mich abzulenken. Es wechselt zwischen Waldabschnitten und Weiden. Kühe, Ziegen, Hühner, Pferde … Es ist wieder alles dabei, das mein Tierliebhaberherz höher schlagen lässt.

Schöne Wegmarkierungen

An einer Bank macht Mark Pause und es stellt sich heraus, dass der einzige Supermarkt im nächsten Ort eine Mittagspause von 12:30 – 14:30 Uhr macht. Wir beschließen Gas zu geben und laufen tatsächlich die 6 Kilometer nach Usson en Forez in 60 Minuten.
Im Laden gibt es bereits um 12:15 Uhr durchsagen, dass man sich zur Kasse begeben soll und zum Teil werden schon die Lichter ausgeschaltet. 10 Minuten vor Ladenschluss werden wir dann sehr unhöflich persönlich dazu aufgefordert.
Schnell haben wir alles mögliche gegriffen, durch die Routine ist es auch relativ durchdacht.

In der Ortsmitte finden wir einen Picknicktisch vor der Touristeninfo. Es gibt sogar Toiletten und WLAN.

Wir schlagen uns die Bäuche voll und machen bis 14:20 Uhr eine verhältnismässig lange Mittagspause. Der Wind ist frisch und so koche ich Kaffee, um uns ein wenig aufzuwärmen.

Unsere Motivation ist sehr niedrig. Im Schneckentempo kommen wir voran und lenken uns mit Gesprächen ab.

Am Waldrand sehen wir seit sehr langer Zeit ein Reh, welches vor uns wegrennt.

Dunkle Wolken ziehen auf, wir stehen zwischen zwei Gewitterfronten und sehen zu das wir in den nächsten Ort kommen, dort gibt es allerdings keine Unterstellmöglichkeit. Wir beschließen fix einen Kilometer in ein Dorf mit einem alten Waschaus weiterzugehen. Berghoch und aus der Puste kommen wir dort an. Wir haben unfassbares Glück, weil beide Gewitter haarscharf an uns vorbeiziehen.

Traumhafte Wälder

Es ist 17 Uhr und die letzten 10 Kilometer stehen an. Wir wollen Wildcampen und hoffen auf einen besseren Platz als beim letzten Mal.

Nach gut 15 Minuten erwischen uns dann doch zwei Regenschauer. In der Ferne donnert es immer wieder, die Gewitter ziehen aber nur an uns vorbei. Bei starkem Regen bleiben wir zweimal für ein paar Minuten unter Bäumen stehen. Wir haben zwar Regenkleidung, aber auch die hält immer nur bis zu einem gewissen Punkt.

Zwischendurch sehen wir einen sehr abgeschnitten Regenbogen, erfreuen uns aber dennoch sehr daran. Die letzten Kilometer sind brutal und ziehen sich massivst. Die Sonne geht bald unter, also laufen wir auch nochmal schneller. Dies ist heute das dritte Mal, dass wir eine Art Turbomodus einlegen, um schnellstmöglich an einem Ort anzukommen. Fluchend und kaputt erreichen wir einen Picknicktisch an einem Bach, an dem wir Campen werden. Es führt zwar der Wanderweg hier entlang, aber keine Autos oder Motorräder dürfen hier lang.

Ein Regenbogen

Während ich mein Zelt schon aufbaue und essen vorbereite, läuft Mark in den nächsten Ort und holt uns Wasser. Er ist ohne mich deutlich schneller.

Als er zurück ist und sein Zelt aufgestellt hat, essen wir Wraps. Wir hören plötzlich Stimmen. Eine Frau und ein Mann auf zwei Pferden reiten an uns vorbei und wünschen uns einen schönen Abend.

Nebelschwaden ziehen vorbei, es regnet nicht mehr, aber die Kälte lässt mich schnell frieren und sich nach dem langen Wandertag ins Zelt zu kuscheln, fühlt sich herrlich an.

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