Tag 65 und unerwarteter Besuch beim Wildcampen

Um 5:40 Uhr höre ich ein Auto auf die Wiese fahren, auf der wir unsere Zelte augeschlagen haben. Das kann nicht sein, oder? Ich höre Türen auf und zu gehen. Wir gebannt liege ich in meinem Zelt, mein Herz schlägt immer lauter. Fußschritte sind zu hören, kommen die in meine Richtung? Plötzlich sehe ich unter dem Spalt meines Zeltes einen braun-weißen Jadghund. Der Mann wollte wohl seinen Hund laufen lassen, hat aber erst neben meinem Zelt festgestellt, dass wir hier stehen. Er sagt nichts. Wieder höre ich das Auto und auch den Motor. Aber er fährt nicht weg. Ich rufe Mark zu, ob er das mitbekommen hat, aber er hat noch geschlafen. Wir schauen aus unseren Zelten, 15 Meter von uns steht ein Jeep, in dem Licht brennt. Was will der Mann hier? Die Wiese ist keine Kuhweide…
Ein paar Minuten später kommt ein zweites Auto, die Männer unterhalten sich ruhig. Als sie weggehen, dämmert es uns. Dies sind Enten-Jäger. Davon gibt es hier im Naturreservat natürlich viele.

Dort wo mein Rucksacks steht, stand mein Zelt vorher

Wir beschließen so schnell wie möglich unsere Sachen zu packen, während es langsam heller wird. Gut 50 Meter von uns hören wir es von den Teichen immer wieder laut schießen. Ich brauche ca. 15 Minuten zum Sachen packen und helfe Mark im Anschluss noch.

Sonnenaufgang

Als wir die Wiese verlassen, bin ich erleichtert. Es ist gar nichts schlimmes passiert, aber der unerwartete Besuch hat mir einen ziemlich Schrecken eingejagt.
Langsam geht die Sonne auf und das Adrenalin lässt nach. Schnell fühle ich mich sehr müde. Wir passieren Kuhweiden und Wiesen. In Montverdun machen wir an der Priory Kirche eine Pause. Die wunderschöne Aussicht kann ich erst gar nicht geniessen.

Frühstück mit toller Aussicht

Nach einem Kaffee und Waffeln zum Frühstück fühle ich mich besser. Zähne putzen und das Gesicht waschen, hilft zusätzlich, um die tiefe Müdigkeit zu bekämpfen.

Im einem Waldabschnitt geht es leicht bergauf und wieder bergab. Wir kommen zwischen Feldern raus und haben eine schöne Sicht. Die Berge des Massivzentral werden immer klarer, mittlerweile kann man die Ortschaften an den Hängen erkennen. Heute laufen wir noch paralell zu ihnen, aber morgen steht der erste lange Anstieg bevor.

Ein weiteres Bild vom Morgen

Der Tag ist sonnig und der Himmel wolkenlos. Ein minimales Lüftchen weht. Die Temperatur steigt zum Mittag merklich an.

In Chalain-d’Uzore laufen wir einen Umweg zum Friedhof. Unsere Wasserflaschen sind fast leer und so nutzen wir die Möglichkeit zum Auffüllen. Eine kleine Pause erfolgt in der Ortsmitte, bis es um 12:00 Uhr weitergeht.

Auf Feldwegen und in der direkten Sonne geht es weiter. Wir sind müde und der Tag fühlt sich nach kämpfen an. In Champdieu gibt es eine Bäckerei. Mark und ich teilen uns ein großes überbackenes Baguette.

Die Jakobsweg folgt nun einen ziemlichen Umweg über einen Hügel. Wir sind müde und kaputt, also entscheiden wir uns für eine ruhige Landstraße und sparen uns ganze drei Kilometer. Durch Montbrison müssen wir einmal komplett durchlaufen. Um 14:45 Uhr kommen wir nach 24 Kilometern am Campingplatz an. Die Rezeption macht leider erst um 15:30 Uhr auf, also nutzen wir die Zeit und legen unsere klitschnassen Zelte in die Sonne. Nach der Anmeldung duschen wir fix und nutzen die Waschmaschine.

Wir hängen alles auf und anschließend folgen 1,5 Kilometer zum Supermarkt. Vorher machen wir einen Abstecher in einen Sportladen, da mein T-shirt ein großes Loch hat. Mit leeren Händen verlassen wir diesen wieder, die Auswahl war deutlich zu teuer. In einem Fastfood-Restaurant gibt es Wraps und Eis. Wir beratschlagen uns über die nächsten Tage, denn bald trennen sich Marks und meine Wege.

Zum Schluss kaufen wir ein und zurück am Campingplatz nutze ich die Zeit nochmal für Blogeinträge, die deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als man meinen mag.

Nach dem Abendessen geht es um 22:30 Uhr ins Zelt, denn morgen wartet eine spannende Etappe auf uns.

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