Tag 48 und die ersten Tausend Kilometer

Mehrere Gewitter sind die Nacht über Langres hinweg gezogen. Der Donner war öfter erschreckend laut und heftig. Als ich am Morgen aus dem geöffneten Fenster gucke, sehe ich graues Nichts. Eine dicke Nebeldecke  verschlingt die Häuser um uns herum.

Dicker Nebel am Morgen


Der Wetterbericht besagt, dass es zwischen 8 Uhr und 10 Uhr gewittern soll. Es steht ein langer Tag an und ich würde gerne früh los, aber anstatt meinen Montag mit einem Unwetter zu beginnen, warte ich lieber und frühstücke in Ruhe. Wouter und der andere Franzose lassen sich nicht beirren und ziehen um 7:30 Uhr los. Sina, mit der ich mir mein Zimmer geteilt habe, ist hin und hergerissen. Sie kann der Wettervorhersage nicht glauben. Wäre es nicht der aktuelle Wetterradar, wäre ich auch skeptischer.

Bei der Kaffeezubereitung kann ich den Donner von weitem schon hören. Sina und ich sitzen noch bis 9:15 Uhr in der Herberge, da ein starkes Gewitter über Langres hinweg zieht. Der Strom fällt immer wieder minutenweise aus. Das Gewitter zieht weiter, aber der Regen hört leider nicht auf und so entscheiden wir uns die Ponchos überzuwerfen und loszuwandern. Da Sina den Weg nach Rom pilgert, trennen sich die Wege an der nächsten Kreuzung.
Ich erfahre das heute ein Feiertag ist und habe Glück, dass ein Supermarkt gerade öffnet.

Der Weg führt erst den Berg runter und dann direkt wieder hoch. Der Regen nimmt weiter zu und es schüttet in Eimern vom Himmel. Ich trage eine lange Leggins, welche innerhalb von Sekunden nass wird, ebenfalls meine Schuhe und Socken. Für gut 30 Minuten hält der Starkregen an. Die Wegweiser zu finden, ist wirklich schwer und muss ohne Hilfe vom Handy stattfinden.

Weiter bergauf nimmt der Regen langsam ab und ich bin umgeben von einem wunderschönem Waldabschnitt. Efeu und Moos überziehen Steine und Baumstämme, dicke Tropfen bringen die grüne Umgebung zum Glänzen.

Toller Waldabschnitt

Kurz hinter dem Wald steht plötzlich ein Zelt am Wegesrand. Ich sehe den großen Rucksack und weiß von Dennis das dies Mark ist. Wir unterhalten uns sicherlich 30 Minuten und entscheiden zusammen weiter zu wandern. Über Gott und die Welt verlaufen lustige und spannende Gespräche.
Marcs Rucksack wiegt nach seiner eigenen Einschätzung 25 Kilo. Das Gewicht seines Rucksacks ist immer wieder Thema.

25 Kilo vs 10 Kilo

Auf schwammigen Feldwegen bemühen wir uns voran zu kommenn, denn Zentimeter dicker Dreck hängt uns an den Schuhen.

In Vieux Moulins gibt es eine überdachte Pausenmöglichkeit mit Brunnen. Kurz darauf ergießt sich ein Regenschauer und wir sitzen gut geschützt unter dem Dach.

Durch das viele Gequatsche schaffen wir es mehrmals vom Jakobsweg abzukommen und einmal laufen wir sogar fast im Kreis. Trotz der langen Etappe nehmen wir es mit Humor.

In einem weiteren Wald verläuft der Pfad immer schmaler und durch den vielen Regen ist an einer Stelle ein kleiner Bach auf dem Weg. Es gibt leider keine Möglichkeit dies zu umgehen und schnell stehe ich knöcheltief im Wasser und durchquere das Wasser für knapp vier Meter. Die klitschnassen Schuhe, in denen es schwappt, hängen schwer an meinen Füßen.

Die nächsten dunklen Wolken ziehen auf und im Ort Perrogney-les-Fointanes finden wir unter dem Dachvorsprung einer Kirche Regenschutz. Zumindest denken wir dies. Mit dem Rücken lehnend an die verschlossenen Kirchentür ziehen wir Socken und Schuhe aus und fangen an zu essen.

Durch den Wind kriegen wir den einsetzenden Regen voll ab und werden nass. Mir ist ziemlich kalt und schnell laufen wir weiter zum warmwerden.

Das letzte Stück durch den Wald zieht sich nochmal auf 15 Kilometern. Durch unsere Geschichten lenken wir uns gut ab und um 19.30 Uhr erreichen wir nach 34 Kilometern Auberive. Der Campingplatz funktioniert mit Automat und ich bezahle für zwei Personen 14 Euro per Kreditkarte.

Beim Zeltaufbau verschwindet die Sonne, welche zum Abend kurzzeitig nochmal rausgekommen ist, hinter den Hügeln. Eine Dusche folgt und zusammen mit Mark esse ich einem der Tische zu Abendbrot und trinken Tee. Es ist kühl geworden und mein Zelt ist schon an der Innen- und Außenwand nass. Ich krieche in den warmen Schlafsack uns hoffe das die Nacht nicht zu kalt wird.

Vor dem Einschlafen fällt mir noch ein, dass ich heute die ersten 1000 Kilometer seit dem Start gelaufen bin. Ein bisschen stolz über meine Leistung schlummere ich ein.

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