Tag 22 und der rote Handabdruck auf meinem Oberschenkel

War es der späte Eiskaffee, oder die Hitze? Den Grund warum ich so wenig geschlafen habe, kann ich nicht genau benennen.
Fakt ist, das eine lange Etappe ansteht und die Wettervorhersage einen weiteren heißen Tag ansagt.

Von alleine wache ich vor dem Wecker um 4:30 Uhr auf und schäle mich verhältnismässig fit aus dem Schlafsack. Vier Stunden Schlaf sind eindeutig zu wenig, aber um einige Zeit in kühlem Wetter zu wandern, ist das frühe Aufstehen wert.

Um 5:41 Uhr beginnt der Wandertag und ich laufe zurück in die Diezer Innenstadt zum Jakobsweg zurück.
Bei einem Bäcker hole ich mir fix ein richtiges Frühstück und verstaue es für später im Rucksack.

Das Grafenschloss von Diez am frühen Morhen

Ein Pfad soll eigentlich aus der Stadt raus führen, ist aber an zwei Stellen mit großen Zäunen blockiert. Ohne mein Handy wäre ich hier mal wieder aufgeschmissen. Einen Umweg an einer breiten Straße bleibt als einige Lösung.
Hoch zurück in den Wald wird mir schnell warm. Nach Fachingen ist es nicht weit.

Die Morgensonne geniessen

Das Höhenprofil gibt an, dass es heute einige kurze, aber heftige Steigungen geben wird. Die zweite erwartet mich direkt hinter Fachingen.

Der Wald ist angenehm kühl und ruhig am frühen Morgen. Auf einer Bank geniesse ich bei einer Frühstückspause einen Donut.

Zurück im Tal erreiche ich Balduinstein. Vom kleinen Bahnhof kann man oben im Wald eine imposante Burg sehen. Ich befürchte schon, wo es jetzt hingeht. Zuerst passiere ich eine alte Ruine im Ort, bis es knapp 1,5 Kilometer bergauf führt.

Auf halben Wege finde ich ein recht verwestes Eichhörnchen. Mit traurigen Augen schaue ich das kleine Geschöpf an, da zwickt mich etwas am Bein. Aus Reflex hole ich aus und lasse meine Hand auf meinen Oberschenkel klatschen. Die Bremse habe ich verfehlt, aber dafür habe ich mir mit vollem Erfolg einen roten Handabdruck auf der Haut hinterlassen.
Die Clownshow geht aber direkt weiter, denn zwei der gemeinen Insekten attackieren meine Beine. Meine Motivation weiter bergauf zu laufen, nimmt Form an. Mit stark schüttelnden Beinen haste ich den Waldweg nach oben. Innerhalb kürzester Zeit atme ich schwer, komme aber dafür schnell oben an.

Die Schaumburg

Die Schaumburg selbst streift der Jakobsweg leider nur bedingt. Von weitem kann ich sie aber nochmal in aller Ruhe begutachten und mache eine Pause mit Blick auf das beeindruckende Gebäude.

Die Höhenwege zwischen den Orten sind wunderschön. Zwischendurch bekomme ich tolle Aussichten in die Landschaft.

Wunderschöne Aussichten

Circa 1,5 Kilometer vor Steinsberg und auch danach führt die Route mich an Feldern hoch in den Ort und zwar leider in praller Sonne. Im Schatten zurück werden meine Knie bei einem starken Gefälle beansprucht. Der Weg führt unten an der Hauptstraße direkt wieder nach oben in den Wald.

Für eine Pause lege ich mich auf eine Holzbank und schaue in die Bäume. Das Rauschen der Blätter wird mit dem aufkommenden Wind stärker. Wäre ich hier nicht direkt an einen ruhigen Landstraße würde ich ein Nickerchen machen.

Ich setze gerade den Rucksack auf, da kommen zwei Pilgerinnen vorbei. Wir laufen für ca 30 Minuten zusammen und tauschen uns aus.
Die beiden legen eine Pause ein und ich entscheide mich weiterzulaufen.

Für über einen Kilometer zieht die Steigung nochmal sehr an. Meine Füße sind sehr sehr müde. Die Hitze und das viele auf und ab, sind auf den letzten 10 Kilometern nicht so einfach.

Hier gibt es einige Bäume zu überqueren

Ich komme um 15:15 Uhr in Obernhof an. Insgesamt waren es heute 30 Kilometer. Fix und alle dusche ich ganz schnell, um mich dann ins Bett fallen zu lassen.

Ein Nickerchen ist unausweichlich, die Anstrengung des Tages liegt mir in den Knochen.

Ich bestelle mir eine Pizza und laufe einmal über die Lahn, um diese abzuholen. Da meine Knöchel wie Pudding sind, fühlt sich der Weg sehr weit an.

Kurz vor dem Schlafen lausche ich dem einsetzenden Regen bei offenen Fenstern, welche frische Luft in das Zimmer der Pension bringt.

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