Tag 63 – Die letzte Etappe / Verkündigung Lockdown

Es klopft um 08:30 Uhr an die Tür der Airbnb-Wohnung. Mit gepackten Rucksäcken begrüßen wir Colleen. Die herzliche Britin ist durch Saras Videos aufmerksam auf sie geworden und hat sie schon vor einiger Zeit zu sich eingeladen, da sie seit vielen Jahren in der Nähe des Jakobsweg unterhalb von Perigueux lebt. Das Angebot gilt kurzerhand auch für mich, welches ich dankbar annehme.

Ein gemeinsamer Wandertag steht uns bevor und es führt uns an der lauten Straße aus der touristischen Stadt heraus. Am gestrigen Pausentag haben wir einen Blick in das schöne Zentrum geworfen, die Kathedrale sieht vorallem von außen recht beeindruckend aus. Viele kleine Läden ergeben eine gesellige Atmosphäre der Innenstadt.

Colleen und Sara

Die Lautstärke am Anfang dieser Etappe ist recht anstrengend, nimmt zum Glück aber nach gut 40 Minuten ab. Es fängt stärker an zu regnen, ansonsten ist es aber erstaunlich warm.
In Chancelade finden wir einen gemütlichen Tabakwarenladen und bei heißem Kaffee führen wir unsere Unterhaltungen fort. Colleen ist ebenfalls eine erfahrene Pilgerin und bereits verschiedene Wege gelaufen.

Schöne Märchenwälder

Der neue Wind in unseren Konversationen ist erfrischend. Kurz darauf passieren wir eine Abtei. Die Tür ist geöffnet und wir werfen einen Blick in die Kirche.

Von dort führt der Weg immer weiter bergauf in einen bunten Wald. Der Aufstieg ist recht anstrengend, schnell kommen wir außer Puste. Kleine schöne Dörfer folgen aufeinander.

An einer Abzweigung sind wir unsicher, wo sich der Jakobsweg befindet, ein zugewachsener Pfad führt an einem Haus vorbei. Ob das wohl richtig ist?
Nach gut 150 Metern finden wir einen umgestürzten Baum auf dem Weg vor und sehr vorsichtig steigen wir über die vielen Äste.

Der Pfad kommt hinten aus dem Wald. Der Baum ist direkt auf den Weg gefallen.

Kurz darauf folgt eine kleine Brücke über einen Bach und ein extrem matschiger Übergang zum Feldweg erwartet uns. Colleen versucht es als erstes und versinkt knöcheltief mit ihren Schuhen im Schlamm. Ich finde eine bessere Stelle und überquere den aufgeweichten Untergrund mit gezielten Tritten, ohne zu sehr vom Erdboden verschluckt zu werden.

Kurz darauf laufen wir in Gravelle ein, wo eine weitere Pause sehr willkommen ist. Die Bar hat draussen überdachte Tische. Der Regen setzt nämlich für wenige Minuten wieder ein.

Am Kanal des Fluss Isle leiten uns die Wegweiser ein paar Kilometer entlang.

Kanal des Fluss Isle

Ich lasse mich heute immer mal wieder zurückfallen und geniesse in vollen Zügen den Wandertag. Die Sonne scheint zwischendurch immer mal wieder.

Ich schließe die Augen und spüre die Wärme der Herbstsonne auf meiner Haut, der dezente Wind in meinem Haar und lausche dem Rascheln der Blätter der großen Bäume. Ich atme die volle Atmosphäre ein und nehme sie so bewusst wie möglich wahr.
Als ich die Augen wieder öffne, richtet sich mein Blick auf die Spiegelung im Wasser. Silbrig schimmernd sind die Bäume der Allee leicht verschwommen zu erkennen. Beim Weiterlaufen wird die Geräuschkulisse von knisternden Schritten auf dem bunten Laub unterstützt.

Die letzte Etappe endet hier in St. Astier

Nach 25 Kilometern erreichen wir um 16:00 Uhr St. Astier. Wir spazieren auf der Brücke über den großen Fluss Isle, von dort können wir die Kirche sehen.

Kirche St Astier

Bei einem Getränk in einer Bar warten wir auf Colleens Ehemann, der uns kurz darauf abholt. Wir fahren zu dem schönen, ruhigen Haus der Familie mitten auf dem Land. Wir werden sehr herzlich aufgenommen.

Das Abendessen ist köstlich und vorallem mit dem Nachtisch werden wir überascht. Ein typischer französischer Lemon Meringue Kuchen wird uns serviert.

Der Abend dreht sich rund um den Fokus der bevorstehenden neuen Regelungen der Regierung Frankreichs bezüglich der akutellen Pandemie Covid-19.

Typischer Kuchen in Frankreich – Lemon Meringue Cake

Gegen 20:30 Uhr wissen wir dann endlich mehr. Im großen gemütlichen Wohnzimmer sitzen wir auf den Sofas und lauschen dem Staatsräsidenten Macron. Die englische Übersetzung gibt bekannt, was sich schon angebahnt hatte. Der Lockdown in Frankreich wird am Freitag einsetzen. Die Realität holt Sara und mich nun endgültig ein.

Macron verkündet den Lockdown

Es ist Zeit für mich nach Hause zu gehen.

Stundenlang suche ich nach Möglichkeiten. Die Webseiten sind überlastet, mehrfache versuche passende Zugverbindungen zu buchen, scheitern. Gegen Mittnacht gebe ich übermüdet und erschöpft auf. Lange Zeit kann ich dennoch nicht einschlafen. Um 2:00 Uhr kommt mir eine Idee, die ich aber erst am nächsten Morgen ausführlich klären kann.

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