Tag 60 – große Hörner und rutschige Untergründe

[kurze Info an dieser Stelle: der beschriebene Tag ist von Montag 26.10. – natürlich ist der bevorstehende Lockdown in Frankreich nicht an mir vorbei gegangen. Die ganze Geschichte und meine Gedanken dazu folgen bald.]

Das Frühstück am Morgen ist vergleichsweise zu den letzten Wochen wirklich gut und üppig.
Von Baguette über Cornflakes bis hin zu Croissants ist alles dabei, und der Kaffee schmeckt auch noch.
Heute trennen sich allerdings vorerst die Wege von uns zwei Pilgerinnen. Ich würde gerne wieder meine täglichen Kilometer steigern, jedoch ist das noch etwas zu viel für die Kanadierin. Es gibt noch ein paar zusätzliche Gründe. Wir waren jetzt über eine Woche unterwegs, die eine willkommene Abwechslung war.
Sara bleibt noch länger in der Unterkunft und für mich geht es um 09:00 Uhr los.

Leichter Nieselregen erwartet mich und der Weg führt erst an der Straße entlang, wechselt aber schnell in den Wald und auf schmale Pfade. Der Boden ist zwar an einigen Stellen sehr matschig und rutschig, dennoch gut zu laufen.
Die herbstlichen Wälder sind nun allgegenwärtig und bringen Farbe in den sonst eher grauen Tag.

Meine Motivation ist gut und ich genieße es wieder alleine in eigenem Tempo zu laufen.
Bisher war die Wegesmarkierung der letzten Tage sehr gut, nur zwischendurch habe ich am heutigen Tag Probleme.
Eine Art offenes, aber sehr schmales verwinkeltes Gatter leitet mich auf eine Wiese. Bin ich hier richtig? Der Muschelwegweiser bestätigt es. Ein paar Schritte weiter führt die Weide um eine Ecke und eine kleine Herde von Kühen und Rindern stehen vor mir.

Man beachte die großen Hörner

Sie schauen mich neugierig an, verlieren aber schnell das Interesse.
Kühe haben mir in den letzten Wochen viel Freude bereitet, allerdings jetzt über ihrer Wiese zu spazieren, bereitet mir ein Fremdgefühl. Vorallem da ausgerechnet diese Gattung sehr lange Hörner vorweist. Langsam setze ich einen Schritt vor den anderen. Zur linken Seiten ist ein kleiner Wald, in dem allerdings auch ein Artgenosse grast. Ich werde ignoriert und so setze ich weiter einen Fuß vor den anderen, ohne meinen Blick von den Tieren zu nehmen.

Die Weide ist letztendlich doch schnell durchquert und prompt wartet die nächste kleine Herausforderung im Wald. Mit Blättern übersähte Holzbretter sind auf matschigen Untergrund gelegt worden und führen zu einer kleinen Brücke. Diese besteht aus einzelnen aneinandergereihten runden Hölzern und ist mittlerweile nicht mehr eben, sondern leicht nach links abgerutscht.
Der erste Schritt macht mir klar wie rutschig die Oberfläche ist. Tief einatmen und konzentrieren. Ich positioniere meine Trekkingstöcke tief nach unten ins Wasser, welches ansich nicht tief ist, aber auf nasse Füße würde ich gerne verzichten.
Es sind nur wenige kleine Schritte über die Brücke. Aber jeder einzelne ist bewusst auf dem glatten Untergund gesetzt. Vorallem das Gewicht meines Rucksacks macht es schwieriger, da mein Gleichgewicht anders verlagert ist.

Die kleine ultra rutschige Brücke

Die kleinen Abenteuer machen heute richtig Spaß. Der Pfad führt an einem kleinem See entlang und kurz darauf in die kleine Stadt La Coquille. Eine Picknickbank neben der Kirche bietet sich als perfekte Pausenmöglichkeit an.

Der Weg führt am See entlang

Anschließend warten noch gute 14 Kilometer auf mich, teils auf Wanderwegen oder Landstraßen. Bis auf einzelne Häuser laufe ich durch keine Dörfer mehr. Die Samstagsatmosphäre ist aber den ganzen Tag schon leicht zu merken, ein paar Radrennfahrer sehe ich über den Tag verteilt, sogar zwei Tageswanderer kommen mir entegegen und vereinzelte Grillgerüche nehme ich wahr.

Ein außergewöhnlicher Salamander

Auf der Straße finde ich einen toten Salamander vor, dessen bunter Körper ins Auge sticht.
Meine Beine sind zum Ende hin müde und so bin ich froh, als ich um 18:05 Uhr kurz vor Thiviers ankomme. Die Besitzerin hat sich selbst den Spitznamen „Nany“ gegeben (Sie mag ihren richtigen Namen nicht und hatte über viele Jahre Pflegekinder beherbergt). Sie heißt mich willkommen in ihrem kleinen, aber netten Haus. Sie spricht kein Englisch, aber sie erzählt mir von zwei jungen Männern,die hier auch untergebracht und später wiederkommen.

Eine Dusche später reicht meine Zeit noch zum kurzen Ausruhen bis es für das Abendessen an meiner Tür klopft. Nany stellt mir die beiden anderen Pilger vor. Sie sind Franzosen und nur für eine Woche auf dem Jakobsweg unterwegs. Beim Abendessen am großen Tisch und mit viel Abstand zueinander tauschen wir uns aus, allerdings sprechen die drei Muttersprachler viel in Fränzösisch und kurz vor 22:00 Uhr habe ich kein Interesse mehr an den Gesprächen, bei denen ich kaum etwas verstehe. Das Essen war ganz gut, das meiste sogar regional, worauf hier auf dem Land viel geachtet wird.

Nach einer Folge einer Serie schlafe ich sehr schnell ein.

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