Tag 28 – nächtliche Geräusche begünstigen einen Adrenalinrausch

Ein lautes Rascheln aus dem Wald lässt mich aufschrecken. Höre ich da ein Grunzen?
Laut klatsche ich in die Hände und das Geräusch aus dem Hintergrund wird leiser. Tief einatmen. Das Adrenalin lässt meinen Puls in die Höhe schießen und lässt mich um 2:00 Uhr hellwach im Zelt liegen. Die Stunden zuvor war ich eher im Halbschlaf. Mir ist bewusst wie scheu Wildtiere sind, aber die Kulisse nachts ist je nach Lokalisation noch sehr neu und nervenaufreibend.

der rote Feuerball

Bis 06:30 Uhr schlafe ich zum Glück durch. Die feuerrote Sonne steigt kurze Zeit später über den östlichen Horizont und versüßt mir den Morgen. Von hier oben sehe ich selbst die Mosel und der Blick ins Tal ist atemberaubend.
Mein gewählter Zeltplatz ist auf einem Parallelweg zum Jakobsweg. In meiner Naivität laufe ich querfeldein ein… Wie groß kann ein Feld denn sein? Schier endlos stakse ich wie ein Storch über den losen Ackerboden und achte behutsam darauf nicht umzuknicken.

Zurück auf Wanderweg geht es durch den Wald bis eine große Farm zu sehen ist. Sie liegt mitten im Nichts und ein Hundebellen ist zu vernehmen. Der weiße kleine Hund läuft aggressiv auf mich zu. Ein zweiter sehr junger, größerer Hund hinterher. Allerdings ist der erste das größe Problem. Meine Wanderstöcke halte ich überkreuzend vor meine Beine und langsam gehe ich den Weg rückwärts an der Farm vorbei. Immer wieder muss ich den Hund von mir zurückhalten. Mit diesem Kleinen ist nicht zu spaßen und sein Beschützerinstinkt ist so sehr ausgeprägt, dass er nicht auf das Pfeiffen und Rufen seiner Besitzerin hört. Ich bin fast am Gelände vorbei, da ist sie endlich unten und in schreienden, französischen Befehlen (und noch im Schlafanzug) ruft sie nach ihren Haustieren.
Endlich lassen sie von mir ab und ich sehe zu, das ich das Weite suche.
Im nächsten Dorf lasse ich mich erschöpft auf eine Bank fallen und atme erstmal tief durch. Die Uhrzeit zeigt nichtmal 9:00 Uhr. Ein Kaffee ist schnell zubereitet und baut Stück für Stück meine Nerven wieder zusammen.

Hinter Dieulouard gibt es kaum Schatten

Wieder in den Wald zurück und geschützt vor der Sonne passiere ich den Ort Dieulouard.

Die letzten Kilometer ziehen sich extrem durch die Sonne und ich kann es gar nicht erwarten endlich anzukommen.

Liverdun – unten am Fluss ist der Campingplatz

Der Campingplatz in Liverdun übertrifft meine Erwartungen. Idyllisch im Tal an der Mosel in der Region Lorraine gelegen.
Die freundlihe Rezeptionisten erklärt mir alles. Es gibt nicht nur Wlan, sondern auch einen Pool.

Ab ins kühle Wasser

Mein Zelt steht schnell, gefolgt vom Wäschewaschen meiner Socken und meines Shirts und schon platsche ich ins kühle Nass. Der Pool ist nicht beheizt und nach ein bisschen Schwimmen, gönne ich mir eine heiße Dusche. Herrlich!
Die Atmosphäre auf dem Gelände ist angenehm und auf meiner aufgepusteten Isomatte lege ich mich vor mein Zelt.
Kurz vor der Zubereitung meines Abendessen bittet mich ein Niederländer zu sich und seiner Frau auf ein Glas Rotwein.
Die soziale Komponente ist in den letzten Tagen wirklich sehr kurz gekommen, dennoch muss ich das Angebot ausschlagen. Die Müdigkeit sitzt mir tief in den Knochen und ich kann kaum noch einen kleinen Gedanken fassen.

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