Tag 9 – Achtzehn nasse Kilometer

Der Morgen beginnt mit einem frühen Anruf. Ich hatte am Vortag noch eine Email geschrieben und der Besitzer der Unterkunft meldet sich und bestätigte mir, dass er ein Bett für heute frei habe. „So kann der Tag gut beginnen“, denke ich fröhlich. Ich hatte ja keine Ahnung was mich noch erwartete…

Um 08:30 Uhr fällt das Schloss der Pilgerzimmers hinter mir zu und ich starte die Etappe in gutem Schritt durch das Zentrum von Grevelsberg. Zum Ende des Ortes zieht es bereits stark aufwärts an. Es ist zwar bewölkt, dennoch ist die Aussicht von oben weitläufig. Talwärts laufe ich bei Nieselregen in Schwelm ein. Der Regenponcho darf hier nach einer Woche wieder eine Rolle spielen.

Dem leichten Regen zu hören

Im kleinen Zentrum gönne ich mir eine Pause in der Rabenschwarz Rösterei. Das kleine Café bietet hervorragenden Kaffee an, sogar einen Pilgerstempel gibt es hier.

Wohltuender Kaffee an diesem regnerischen Tag

Beim Verlassen regnet es weiterhin leicht und gut gelaunt starte ich stadtauswärts, wieder bergauf. In einem wunderschönem Waldstück geniesse ich die gegenwärtige Situation.

Regentropfen fallen sachte vom Himmel und dort wo das Wasser landet, steigt der süßliche Geruch des Waldbodens auf. Die Blätter glänzen von der Nässe und wiegen sich leicht im Wind. Ein kleiner Tropfen sitzt auf einer Blattspitze, fokussiert den Blick auf dieses Detail gerichtet und der Hintergrund verschwimmt.

Detailliebe

Es ist wirklich herrlich anzusehen und zu riechen. Die Wegesführung bringt mich nach Wuppertal-Beyenburg, aber auch hier fehlen immer wieder Markierungen und in dem stärker werdenden Regen kann ich meine Genervtheit nicht ganz verdrängen. Bei dem Wetter alle paar Meter das Handy rauszuholen, macht mir keinen Spaß.
Von der Kirche überblicke ich den Stausee, zu dem der Weg mich auch weiter führt. Der Regen prasselt mittlerweile in Bindfäden auf mich ein.

Eine Pause wäre jetzt wirklich schön, jedoch kann ich keine überdachte Bank oder ähnliches finden.
Über eine blaue Brücke überquere ich den See und der Waldpfad führt steil bergauf. Der Boden ist wie mit Venen von dicken herausstehenden Wurzeln überzogen. Natürlich sind diese auch praktisch, und ergeben natürliche Treppenstufen. Jedoch muss hier jeder Schritt sitzen, da die Oberfläche durch die Nässe sehr rutischig geworden ist.

Die Aussicht von oben beeindruckt, die Nadelwälder sehen bei diesem Wetter wirklich traumhaft mystisch aus. Aber der Niederschlag ist weiter stark und hier oben fegt der Wind mit mehr Kraft.

In meinen Schuhen höre ich das Wasser mit jedem Schritt platschen und selbst mein Poncho gibt an einigen Stellen nach. Der Wind lässt mich frieren und nach ungefähr 5 Stunden durchlaufen, erreiche ich ENDLICH mein Etappenziel. Die 18 Kilometer ohne Pause haben mich zur Erschöpfung gebracht. Insgesamt waren es heute „nur“ 25 Kilometer.

tolle Aussicht zwischen Schwelm und Lennep

Hier in Remscheid-Lennep gibt es einen kleinen Pilgerladen und die Dame bringt mich zur Unterkunft ins Dachgeschoss.

Die kleine schuckelige Wohnung ist mit sechs Betten ausgestattet, ich bin aber zum Glück alleine.
Die heiße Dusche weicht meine Haut weiter auf, bringt aber auch wohltuende Wärme mit sich.

Im selben Haus der Unterkunft ist im Untergeschoss eine Kneipe lokalisiert. Ich frage den Wirten freundlich, ob er vielleicht eine Zeitung für meine nassen Schuhe hat. Wir unterhalten uns noch kurz nett und tatsächlich kann er mir eine dünne Zeitung mitgeben. Besser als nichts.
Ich mache es mir oben bequem und esse entspannt zu Abend, bis es in meinen warmen Schlafsack ins Traumland geht.

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