Tag 5 – Ein nebliger Start in den Tag

Der graue Himmel lässt das Wasser des Dortmund-Ems-Kanals silbern schimmern und der Dunst hängt wie feingewebte Zuckerwatte sanft über dem Gewässer.
Die Stille des frühen Sonntagmorgens wird durch leise Geräusche geprägt. Jene, die oft im lauten Alltag wenig Beachtung finden, sind jetzt klar zu hören. Vogelzwitschern, das Gurren von Tauben, das leichte „Tap“ Geräusch meiner Wanderstöcke, die sich meiner Gehgeschwindigkeit anpassen und das Rascheln meiner Windjacke, dessen Stoff aneinander reibt. Ich blicke über das Wasser und kann nicht nur mein tiefes Ausatmen hören- an diesem frischen Morgen kann ich es auch sehen.

Gegen 07:30 Uhr erreiche ich den Hiltruper See, der dicht in Nebel gehüllt ist und eine mystische Atmosphäre bietet.

Morgenatmosphäre am Hiltruper See

Neben den Bahnschienen laufe ich gemütlich in das Dorf Rinkerode.
Der Bäcker in dem kleinen Ort ist am Sonntagmorgen gut besucht und ein Kaffee und ein Mohnstriezel geben eine wunderbare Kombination als Frühstück ab.

In gutem Schritt mache ich mich auf und bei verschiedenen Podcasts führt mein Weg in den Ort Herbern. Da ich gerne eine Pause machen würde, suche ich außerhalb nach einer Bank. Das Gelände sieht aus wie eine große Parkanlage, ist aber in Wahrheit ein kilometerweiter Golfplatz. Die vielen Spaziergänger besetzen einige Bänke, bis ich eine freie finde. Meine Mittagspause endet verfrüht, da vier Radfahrer mich mit ihren lauten Gesprächen nicht richtig zu Ruhe kommen lassen.
Also starte ich kurze Zeit wieder, in der Hoffnung eine weitere Sitzmöglichkeit zu finden. Mein Tempo ist erstaunlich schnell und meine Laune sehr gut. Nach 6 Kilometern finde ich endlich mitten im Nichts eine improvisierte Bushaltestelle. Ein kleines Dach und vier Plastikstühle.

Bushaltestelle mitten im Nichts

Kurze Zeit später komme ich in einer Gaststätte für mein verfrühtes Abendessen auf. Meine eigene Organisation hat am heutigen Tag versagt, da es Sonntag ist und in Deutschland natürlich die Supermärkte zu haben.

Es geht in den Endspurt und kurz vor meinem heutigen Etappenziel gewinne ich das Vertrauen einer Kuh, die ich mit Gras füttern darf.

Die liebe Kuh ließ sich mit Gras füttern

Nach ungefähr 35 Kilometern erreiche ich um 18:15 Uhr erschöpft die Unterkunft. Im Internet hatte ich über jemandem in Werne gelesen, der einen Bauwagen zum Schlafen anbietet – auf Spendenbasis.
Was mich aber dann erwartet, haut mich um – mit viel Liebe ist der Bauwagen ausgebaut. Ein großes Bett, ein Tisch, Herdplatten, verschiedene Teesorten, einen Ofen für kalte Tage, und und und.

Überglücklich nehme ich eine heiße Dusche und lege mich erstmal ins Bett, um meinem Körper Ruhe zu gönnen. Den Blogeintrag abgetippt und die morgige Unterkunft in der Großstadt gebucht.
Ein heißer Tee und der Rest vom Mohnstriezel runden diesen grandiosen Tag ab.

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