Waterrafting oder auch: wie ich beim 7-Meter Wasserfall aus dem Boot fiel

Montag, 06.03.2017

Nach nun fast 3 Wochen habe ich mich so ziemlich an das Hostelleben gewöhnt und nur wenige Probleme damit. In der letzten Nacht musste ich dann doch das erste Mal zu meinen Ohrstöpseln greifen. Zwischen meinem Bett und dem meines nächsten Nachbarns liegt gerade mal ein knapper Meter. Der Gute hat gefühlt den kompletten neuseeländischen Wald schnarchend zersägt. Mir ist bewusst, dass auch dies zum Hostelleben gehören kann. Meine Ohrstöpsel haben leider aufgrund der Lautstärke nicht geholfen.

Morgens bin ich zu aufgeregt, um mich von schlechter Laune ablenken zu lassen. Was steht nun heute an diesem sonnigen Montag an?

Um 11:20 Uhr werde ich vom Shuttlebus abgeholt, der auch Josi mitnimmt. Aufgeregt fahren wir zum Waterrafting zum Fluß Kaituna. Ich habe mich bewusst für dieses Rafting entschieden, da das Angebot durch das Hostel recht preiswert ist (69NDZ mit Shuttle = 45,64€) und vorallem aber weil dort der Wildwasser-Raft mit dem weltweit höchstem, kommerziellem raftbaren Wasserfall angeboten wird, mit stolzen 7 Metern Höhe!

Wir bekommen vor Ort spezielle Pullis, Schuhe und Westen in denen wir lustig aussehen. Oh, und die Helme sind natürlich nicht zu vergessen.

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die lustige Truppe

Unser Guide Toshi ist (wie eigentlich alle anderen auch) total locker drauf und erklärt alles ausführlich. In unserem Boot sind außerdem 4 andere nette Menschen dabei (zwei Deutsche und zwei aus Auckland). Nach der Einweisung geht es zum Fluß Kaituna und den berüchtigen Okere Falls. Wir steigen ins Boot ein und auch hier wird alles nochmal wiederholt, wie wir uns zu verhalten haben. Vorallem in den Situationen der Wasserfälle und wenn wir aus dem Boot fallen sollten.

Uns erwarten 3 Wasserfälle, der erste misst 2 Meter, der zweite 1 Meter und der letzte, wie schon beschrieben, unfassbare 7 Meter.

Unser Guide ist wirklich super, zu Späßen aufgelegt und zu jeder Zeit fühle ich mich sicher. Die anderen Boote um uns herum machen das ganze noch witziger, regelmässig crashen wir eins der anderen oder fahren ungebremst gegen die Steinwand bzw. in ein paar Büsche aus denen unzählige Motten fliegen (oder auch ein paar Bienen :D).

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Was ein Spaß!

Bei dem ganzen Spaß vergesse ich fast die Natur zu genießen, der Kaituna River fließt durch eine tiefe, regenwaldbewachsene Schlucht. Es ist wunderschön, aber viel Zeit bleibt mir nicht, diese zu bewundern. Hinter jeder Kurve wartet schon das nächste kleine Abenteuer.

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Die ersten zwei Wasserfälle machen tierischen Spaß und wir fühlen uns bereit für den letzten.

Kurz vorher erklärt uns Toshi nochmal alles genau. Was wir in welcher Situation machen sollen. Meistens rauscht man einfach herunter, hält sich gut fest und bekommt eine Menge Wasser ab…  so viel zur Theorie – meistens.

Kurz bevor es losgeht, machen wir alle ein High-Five mit unseren Paddels über unseren Köpfen und jubeln uns motivierend an. Das Adrenalin schießt in die Höhe. Ich habe keine Angst, bin einfach freudig aufgeregt und kann es kaum abwarten. LOS GEHT´S!

Die Ansage lautet: erst vorwärts paddeln, bis Toshi „Get down“ ruft, dann haben wir 5 Sekunden Zeit uns breitbeinig in das Boot zu setzen, gut festhalten und den Kopf nach unten halten. Soweit so gut… Ich kann mich nicht wirklich an den „Fall“ erinnern. Ich merke nur wie ich definitiv nicht mehr im Boot bin, sondern unter sprudelndem Wasser.  Ich vertraue auf die gesprochenen Worte meines Guides. Ich bin am Rande des Strudels des Wasserfalls, oder wie es Toshi nennt: the washing mashine.

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7 Meter hoher Wasserfall
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Wo sind wir?
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Huch… 😀
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Mann… äh… Frau über Bord! (Ich bin ganz links 😉 )

Ich bleibe unter Wasser tatsächlich ruhig und vertraue meiner Weste, die mich an die Wasseroberfläche bringt. Ich war tatsächlich nur 3-4 Sekunden unter Wasser, aber es hat sich angefühlt wie mehrere Minuten. Viel zu gierig schnappe ich nach Luft an der Oberfläche und schlucke dabei eine Menge Wasser.

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Nach Luft schnappend
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Ja, alle 10 Finger sind noch dran!

Mein Boot treibt in die andere Richtung, aber ein anderes ist ganz in der Nähe und so kann ich mich erst festhalten und werde direkt von den lieben Menschen hochgezogen. Sie lassen mich einen Moment durchatmen und setzen mich auf einen großen Stein, damit mich mein Boot wieder einsammeln kann. „Tu einfach so, als wärst du eine Meerjungfrau, dann nimmt dich schon jemand mit“, witzelt der Guide.

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keine Meerjungfrau, aber glücklich!

Zurück in meinem Boot hole ich mir ein High-Five von Toshi ab. So ganz kann ich nicht realisieren, was gerade passiert ist. Wir tauschen uns alle kurz aus und sehen dann weiteren Booten zu, wie sie den Wasserfall herunter rauschen. Tatsächlich sind wir die einzigen, dessen Bootseite quasi hochkant in die Luft geragt hat und 4 Leute „verloren“ hat. Es geht allen gut, und um es hier zu wiederholen: Ich habe mich zu jeder Zeit sicher gefühlt, es waren genug Leute vor Ort und es war eine wahnsinnige Erfahrung. 🙂

Weiter geht es auf dem Fluss und an einer Stelle dürfen wir ins Wasser springen und uns kurz treiben lassen, bis wir schnell wieder ins Boot müssen, Josi zieht mich zurück und lachend liege ich halb im Boot bis es wieder minimal runtergeht und das Wasser nur so hochspritzt.

Ein paar Spielchen mit ein paar schnellen Stromschnellen hat Toshi noch auf Lager und jeder darf einmal ganz vorne sitzen, um ein bisschen „wacher“ zu werden, und komplett unter Wasser zu sitzen.

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Lachend und nach Luft japsend kriegen Josi und ich uns nicht mehr ein. Was für ein Erlebnis.

Nach gut 60 Minuten ist das ganze schon wieder vorbei. Was ein unglaublicher Spaß! Das Geld hat sich vollkommen gelohnt und beim Ansehen der geschossenen Bilder, erleben wir den nächsten Lachanfall. So teilen Josi und ich uns die 40 NZD für den USB-Stick mit den Bildern.

Der Shuttle bringt uns zurück nach Rotorua und total erschöpft, aber unfassbar glücklich bin ich zurück im Hostel.

Am liebsten würde ich eine Runde Schlafen, aber mein Adrenalinspiegel ist noch nicht komplett abgeklungen und mit Josi laufe ich durch die Innenstadt Rotoruas. Ich finde leckeres Sushi, dass mir zusagt und tausche mich mit meiner Lieblings-Waterrafting-Partnerin begeistert über das erlebte Ereignis aus.

Der Abend vergeht ruhig und bevor es nun gleich Schlafen geht, werde ich mit Flo und Ginny noch eine Runde in den HotPool des Hostels gehen.

2 Gedanken zu “Waterrafting oder auch: wie ich beim 7-Meter Wasserfall aus dem Boot fiel

  1. Oh je, das klingt nach einer Menge Spaß! Dennoch stelle ich es mir gruselig vor in einem Gummiboot 7 Meter in die Tiefe zu stürzen! Ich bin regelrecht neidisch, dass du so viele nette und lockere Menschen triffst. Solche sind hier in good ol‘ Germany ja sehr selten. Trotzdem noch Spaß!

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  2. da kommen Erinnerungen auf, danke für die ausführliche Beschreibung:-) Mich hat es übrigens nach durchzechter Nacht gleich beim ersten Fall in die Tiefe gezogen, das Auftauchen dauerte aber doch etwas länger… Trotz dem Päcklimachen… Falls noch auf der anderen Erdseite: geniesst es und ansonsten alles Gute:-)

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