Gemischte Gefühle beim Treffen auf den Kiwi „Sparky“

Montag 20.02.2017

Kleine Augen öffnen sich, müde wache ich gegen 08:00 Uhr auf und hopse von meinem Bett herunter. Frühstücken, Zähne putzen, Sachen packen. Um 10.00 Uhr checke ich aus meinem Hostel aus und Nico, Camila und ich setzen uns ins Auto. Schon wieder haben wir Glück – normalerweise haben wir das Auto nur für einen Tag gebucht, da der Besitzer aber unterwegs ist, dürfen wir es bis 17:00Uhr weiter benutzen, ohne einen weiteren Tag zu bezahlen.

Bevor es für mich in die nächste Stadt geht, wollen wir unseren „Gus“ nutzen und fahren als erstes zu den Wasserfällen, die nur 3 km von Paihia entfernt liegen. Die Haruru Falls sind eher klein, und das Wasser wirkt eher dreckig. Schnell geht die Fahrt weiter.

Wir erreichen den wunderschönen Puketi Forest, in dem es riesige Kauri-Bäume zu sehen gibt. Diese Baumart ist die größte in Neuseeland und ihre Heimat befindet sich eben im nördlichen Teil der Nordinsel.

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Puketi Forest

Wir entscheiden uns für einen kurzen Rundgang, der sich „Manginangina Kauri Walk“ nennt. Auf einem Holzpfad werden wir durch den kleinen Abschnitt des Waldes geleitet. Er ist wunderschön kräftig grün und erinnert sehr an eine Art Jungle. Die Kauribäume sind riesengroß und haben sehr kräftige Stämme und sind mit der Kamera leider nicht richtig einzufangen. Aber das macht nichts, so genieße ich die singenden Vögel und die frische Waldluft.

Danach machen wir uns auf nach Whangerei. Dort befindet sich mein nächstes Hostel. Camila und Nico sind so lieb und bringen mich dorthin. Vorher kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und erreichen gegen 14:30Uhr das Hostel, von dem ich weiß, dass Elli sich dort noch für eine Nacht aufhält. Freudestrahlend bergrüßen wir uns, ich checke kurz ein und verabschiede mich von Camila und Nico. Ich bin leicht traurig, weiß aber, dass es zum Reisen dazu gehört. Die beiden bleiben noch in Paihia, wie lange und was dann für sie ansteht, ist noch offen.

Kaum bin ich in meinem 6-Bett-Zimmer, müssen wir auch schon wieder los. Der Besitzer des Hostels fährt ein paar Leute zu einer Vogelauffangstation, das Whangarei Native Bird Recovery Centre Inc.
Kurze Anmerkung: Ich bin absolut kein Freund von Zoos oder ähnlichem. Wer mich ein wenig kennt, weiß wie sehr ich Tiere liebe (liebe Grüße an meine mitlesenden ehemaligen Arbeitskollegen: Ja, auch eine Spinne gehört „gerettet“ 😀 ).
So fuhr ich mit gemischten Gefühlen zur Auffangstation. Ich möchte auch auf Reisen mich für die „richtigen“ Dinge entscheiden. Aber es ist leider nicht alles immer schwarz und weiß und klar abgegrenzt. Es gibt Grauzonen und die machen eine Entscheidung nicht immer einfach.

In dieser Auffangstation lebt ein 12 Jahre alter Kiwi. Dieser ist -wie wohl vielen bekannt- das Nationalsymbol der Neuseeländer, die sich selbst auch gerne so nennen. Ein Kiwi ist eine flugunfähige, nachtaktive Vogelart, die sehr scheu ist. Sie gelten unter einigen Backpackern sogar als Legende, da sie in Natur sehr selten zu sehen sind. Es gibt zwar bestimmte überteuerte Nachttouren, aber die Chance wirklich einen zu sehen, ist wohl sehr, sehr gering.
Nun, warum befindet sich der Kiwi nun seit 12 Jahren in dieser Vogelauffangstation. Der kleine „Sparky“ wurde in einer Falle gefunden. Ihm musste ein Bein amputiert werden und wäre in der Natur mit einem Bein kaum überlebensfähig. Diesen Vogel von nahem zu sehen, war also mehr als interessant und fazinierend.

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„Sparky“ hat nur ein Bein und würde in der Natur nicht überleben können

Momentan befindet sich auch ein 6 Wochen alter Kiwi dort, der bald zurück in die Wildnis darf.

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gerade mal 6 Wochen alt, der kleine Kiwi

Außerdem gibt es verschiedene andere Vögel, z.B. Tauben oder Eulen, die aufgepeppelt werden. Außerdem bekamen wir einen Pingiun zu sehen, der wohl in 1 Woche wieder zurück ins Meer darf.

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Bald darf er wieder im Meer schwimmen

 

In dem Büro befinden sich einige ausgestopfte Tiere. Ein komisches Gefühl durchströmte mich. Andrerseits bin ich mir sicher, dass die Tiere einfach nicht überlebt haben und zu bestimmten lehrreichen Zwecken sehr hilfreich sind. Außerdem gab es jede Menge Bilder zu sehen, z.B. von riesigen Albatrossen, die dort aufgepeppelt wurden und zurück in die Wildnis kamen.
Zum Schluss zeigte er uns einen sehr jungen Vogel, der Art King Fischer Bird, der erst am Morgen zu ihnen gekommen war, und wohl in 4-6 Wochen wieder frei kommt.

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ein sehr junger King Fischer Bird

Insgesamt gingen Elli und ich auch mit gemischten Gefühlen wieder zurück zum Hostel. Wir redeten noch lange über „richtig“ und „falsch“. Das verletzte oder mutterlose Vögel dort aufgenommen werden, finden wir großartig. Die touristische Werbung sehen wir als schwierig an, wissen aber auch, dass die Spenden benötigt werden. So muss jeder für sich entscheiden, welche Organisationen er mit seinem Geld unterstützen möchte.

In unserer Unterkunft kochten wir viel zu viele Kartoffeln für uns, schlugen uns die Bäuche voll und verbrachten den Abend sehr ruhig mit vielen guten Gesprächen und ich hörte Elli beim Gitarre spielen und ihrem passendendem, tollem Gesang zu.

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